Corona-Update

KutzKarin Kutz
Steuerberaterin
Fachberaterin für Internationales Steuerrecht
Fachberaterin für Unternehmensnachfolge (DStV e.V.)
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Jahressteuergesetz 2020 - Verlängerung bisheriger steuerlicher Maßnahmen aufgrund der Auswirkungen des Coronavirus

Aktuelles - 06.01.2021

Das am 28.12.2020 verkündete Jahressteuergesetz 2020 bringt eine Vielzahl neuer „coronabedingter“ Steuervergünstigungen oder verlängert bereits bestehende Regelungen. Die aus unserer Sicht wichtigsten Änderungen haben wir hier für Sie zusammen gestellt:

Die Zahlungsfrist für steuerfreie, vom Arbeitgeber zusätzlich zum laufenden Arbeitslohn gewährte Corona-Beihilfen wurde bis zum 30.06.2021 verlängert. Gleichzeitig wurde klargestellt, dass eine Leistung auch dann zusätzlich zum Arbeitslohn erbracht wird, wenn die Zahlung aufgrund einer Betriebsvereinbarung oder eines Tarifvertrages erfolgt.

Anmerkung:Die Fristverlängerung führt aber nicht dazu, dass eine Corona-Beihilfe im ersten Halbjahr 2021 nochmals in Höhe von 1.500 € steuerfrei gezahlt werden kann.

In Folge der durch die Corona-Krise ausgeweiteten Arbeit von zu Hause kann für eine betriebliche oder berufliche Tätigkeit, die im Homeoffice ausgeübt wurde, eine Pauschale von 5 € täglich (max. 600 € im Jahr) steuerlich geltend gemacht werden, sofern an diesem Tag keine außerhalb der Wohnung belegene Betätigungsstätte aufgesucht wird. Das Vorliegen eines separaten, häuslichen Arbeitszimmers ist nicht erforderlich. Die Regelung gilt für die Kalenderjahre 2020 und 2021.

Die bisher bestehende und bis zum 31.12.2020 begrenzte Steuerbefreiung für Zuschüsse des Arbeitgebers zum Kurzarbeitergeld wird bis zum31.12.2021 verlängert. Daneben wurde klargestellt, dass auch Beratungsleistungen des Arbeitgebers - oder auf seine Veranlassung von einem Dritten - zur beruflichen Neuorientierung für ausscheidende Arbeitnehmer (sog. "Outplacement"-Beratung, "Newplacement"-Beratung) steuerfrei sind.

Die Investitionsabzugsbeträge gem. § 7g EStG wurden für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2019 enden, auf 50 % der geplanten Investitionen erhöht. Gleichzeitig wurde eine höhere, einheitliche Gewinngrenze für alle Unternehmen in Höhe von 200.000 € eingeführt. Neu ist zudem, dass die Investitionsabzugsbeträge und Sonderabschreibungen des § 7g EStG nicht nur für betrieblich genutzte, sondern auch für vermietete bewegliche Wirtschaftsgüter in Anspruch genommen werden können.

Erweiterung der steuerlichen Berücksichtigung von Aufwendungen bei der verbilligten Wohnraumvermietung:

Die bisherige Grenze für die generelle Aufteilung einer Wohnraumüberlassung in einen entgeltlich und einen unentgeltlich vermieteten Teil wird ab dem 01.01.2021 von 66 % auf 50 % der ortsüblichen Miete herabgesetzt. Diese Änderung soll grundsätzlich verhindern, dass Vermieter günstiger Wohnungen steuerlich benachteiligt werden. Die neue Regelung hat jedoch einen gesetzlich verankerten „Haken“: Beträgt die vereinbarte Miete 50 % und mehr, aber weniger als 66 % der ortsüblichen Miete, ist eine sog. Totalüberschuss-Prognose erforderlich. Fällt diese positiv aus, sind die Werbungskosten für das Mietverhältnis voll abzugsfähig. Bei einem negativen Ergebnis sind die Werbungskosten - wie bisher - anteilig zu kürzen.

Die Grenze für den vereinfachten Spendennachweis wird von 200 € auf 300 € erhöht.

Der sog. Übungsleiterfreibetrag (gilt analog auch für die nebenberufliche Pflege alter, kranker oder behinderter Menschen im Auftrag einer juristischen Person des öffentlichen Rechts oder gemeinnütziger Organisationen) wurdevon 2.400 € auf 3.000 € p.a. und die Ehrenamtspauschale von 720 € auf 840 € p.a. erhöht.

Die Freigrenze für wirtschaftliche Geschäftsbetriebe von gemeinnützigen Organisationen wurde von 35.000 € auf 45.000 € erhöht, § 64 (3) AO. Weiterhin wurde der Zweckkatalog explizit um den „Klimaschutz“ erweitert sowie die Regelungen zur steuerunschädlichen Mittelweitergabe an andere Körperschaften vereinheitlicht und neu gefasst,
§ 58 (1) AO. Es wird klargestellt, dass es sich bei der Mittelweitergabe um eine Art der Zweckverwirklichung handelt und nicht um einen eigenständigen Zweck. Es wurde jedoch gesetzlich verankert, dass die Mittelweitergabe als Art der Zweckverwirklichung in der Satzung zu benennen ist, wenn diese die einzige Art der Zweckverwirklichung der Körperschaft darstellt. Anmerkung: Für „aktive“ gemeinnützige Körperschaften bedeutet dies eine deutliche Erleichterung bei der Mittelweitergabe für gemeinnützige Zwecke.

Mit BMF-Schreiben vom 22.12.2020 wurden die steuerlichen Erleichterungen für die von der Corona-Krise betroffenen Unternehmen und Unternehmer*Innen wie folgt verlängert:

Stundung im vereinfachten Verfahren:

Sind Sie nachweislich unmittelbar und wirtschaftlich erheblich von der Corona-Krise betroffen, können Sie bis zum 31.03.2021 unter Darlegung Ihrer Verhältnisse einen Antrag auf Stundung der bis zu diesem Zeitpunkt fälligen Steuern stellen. Die Stundungen sind jedoch längstens bis zum 30.06.2021 zu gewähren.

Über den 30.06.2021 hinaus können Anschlussstundungen für die bis zum 31.03.2021 fälligen Steuern im Zusammenhang mit einer angemessenen, längstens bis zum 31.12.2021 dauernden Ratenzahlungsvereinbarung gewährt werden. Bei der Nachprüfung der Voraussetzungen für (Anschluss-)Stundungen sollen keine strengen Anforderungen gestellt werden. Insbesondere sind Ihre Anträge nicht deshalb abzulehnen, weil Sie die entstandenen Schäden wertmäßig nicht im Einzelnen nachweisen können. Auf die Erhebung von Stundungszinsen kann in diesen Fällen verzichtet werden.

Absehen von Vollstreckungsmaßnahmen (Vollstreckungsaufschub) im vereinfachten Verfahren:

Wird dem Finanzamt bis zum 31.03.2021 aufgrund Ihrer Mitteilung bekannt, dass Sie nachweislich unmittelbar und nicht unerheblich von der Corona-Krise wirtschaftlich negativ betroffen sind, soll bis zum 30.06.2021 von Vollstreckungsmaßnahmen für bis zum 31.03.2021 fällig gewordene Steuern abgesehen werden. In diesen Fällen sind die im Zeitraum vom 1.01.2021 bis zum 30.06.2021 entstandenen Säumniszuschläge grundsätzlich zu erlassen.

Anpassung von Vorauszahlungen im vereinfachten Verfahren:

Als nachweislich unmittelbar und nicht unerheblich wirtschaftlich negativ betroffene/r Unternehmer*In können Sie bis zum 31.12.2021 unter Darlegung Ihrer Verhältnisse Anträge auf Anpassung der Vorauszahlungen zur Einkommen- und Körperschaftsteuer 2021 stellen. Bei der Nachprüfung der Voraussetzungen sollen auch hier keine strengen Anforderungen gestellt werden. Diese Anträge sollen insbesondere nicht deshalb abgelehnt werden, weil Sie die entstandenen Schäden nicht im Einzelnen nachweisen können.