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JanßenAndreas Janßen LL.M.
Rechtsanwalt und Notar
Fachanwalt für Erbrecht
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Nachversteuerung des Familienheims

Erbschaftsteuer - 13.07.2021

Unter bestimmten Voraussetzungen ist der Erwerb von Eigentum oder Miteigentum an einem sog. Familienheim im Erbfall insbesondere durch den länger lebenden Ehegatten oder Lebenspartner erbschaftsteuerfrei. Als Familienheim gilt dabei ein Hausgrundstück, das der Erblasser selbst bis zum Erbfall zu eigenen Wohnzwecken genutzt hat. Auch der Erbe muss dieses Grundstück „zu eigenen Wohnzwecken selbst nutzen“. Diese Steuerbefreiung entfällt mit Wirkung für die Vergangenheit, wenn der Erbe das Familienheim innerhalb von zehn Jahren nach dem Erbfall nicht mehr zu Wohnzwecken nutzt, es sei denn, er ist aus zwingenden Gründen, insbesondere durch den Umzug in das Altersheim, an der „Selbstnutzung“ gehindert. 

In einem vom Bundesfinanzhof entschiedenen Fall hatte die Ehefrau nach dem Tod ihres Mannes das gemeinsam bewohnte Einfamilienhaus geerbt und war darin wohnen geblieben. Nicht einmal zwei Jahre nach dem Erbfall schenkte sie das Haus ihrer Tochter, blieb aber darin wohnen und behielt sich einen lebenslangen Nießbrauch vor. 

Der Bundesfinanzhof bestätigte in diesem Fall den Wegfall der Steuerbegünstigung, die Erbin musste den Erwerb des Familienheims nachversteuern und insoweit nach dem Tod ihres Ehemannes doch Erbschaftsteuer leisten. Eine Befreiung kann nach Auffassung des Bundesfinanzhofes nur derjenige überlebende Ehegatte oder Lebenspartner in Anspruch nehmen, der Eigentümer wird/ bleibt und die Immobilie selbst zum Wohnen nutzt. Die Befreiung entfällt dann, wenn der Erbe das Eigentum aufgibt. Das höchste deutsche Finanzgericht geht davon aus, dass nicht nur die Selbstnutzung, sondern auch die Eigentümerstellung des überlebenden Ehegattens oder Lebenspartners während des Zehnjahreszeitraumes bestehen bleiben musste. 

Häufig soll ein Wohngrundstück an einen Abkömmling übertragen werden, damit im Verhältnis zwischen dem übertragenden Elternteil und dem Abkömmling später im Erbfall keine Erbschaftsteuer anfallen soll. Ist diese Immobilie aber vom vorverstorbenen Ehegatten/ Elternteil geerbt und wird innerhalb des Zehnjahreszeitraums nach dem ersten Erbfall übertragen, kann im Nachgang noch Erbschaftsteuer anfallen. Diese Prüfung darf nicht außer Acht bleiben. Sprechen Sie uns im Bedarfsfall gern an.